index

Alles Scheiße, oder was?
Meine Meinung über die Situation und den Umgang mit Arbeitssuchenden

- Endlich Rentner, und die ernüchternden Erkenntnisse -
Verfasst von Günther Grund, Berlin, am 13.01.2016
(Schrift zu klein? "Strg +" drücken.)


Seit dem 01.04.2015 bin ich ohne Arbeit, also seit 10 Monaten. Davor war ich 13 Jahre selbstständig. Scheinbar hat sich in den 13 Jahren eine Maschinerie und eine Menthalität für die Vermittlung von Arbeitskräften entwickelt, die jenseits davon liegt noch als human und gerecht bezeichnet zu werden.

Das Erste, was mir bei einem Bewerbungsgespräch bei dem "Arbeitsvermittler" perzukunft auffiel, war die Ausfragerei. Was haben Sie bisher gemacht? Was wollen Sie machen? Welche Kenntnisse haben Sie usw.. Das kam mir schon recht komisch vor, denn das Unternehmen machte durch ein Arbeitsangebot im Internet auf sich aufmerksam, von dem im besagten Gespräch plötzlich gar keine Rede mehr war.

Aus dem Grund fragte ich, ob wir einen Arbeitsvertrag machen würden, über Lohn oder Urlaub usw. reden würden. Das wurde jedoch verneint. Als ich dann fragte, ob es sich bei perzukunft um die Vermittlung für einen Vermittler handeln würde, wurde mir gesagt, ja, so könne man das sehen.

Auch später, bei anderen Arbeitsvermittlern zeigte sich der selbe Ablauf. Man fragte mich aus, versprach "mein Profil" bestimmten Unternehmen zur Verfügung zu stellen, und wenn denen das gefiel, würden die mich kontaktieren.

Fällt euch was auf?
Diese sogenannten Arbeitsvermittler vermitteln gar keine Arbeit. Die versuchen ihre Tätigkeit aber tatsächlich so zu bezeichnen, weil sie meinen, wenn sie jemanden an einen anderen Vermittler vermittelt hätten, dann wäre das eine erfolgreiche Arbeitsvermittlung gewesen, für die sie obendrein noch 2000 EUR vom Jobcenter kassieren dürfen.

Die angebotene Arbeit, mit der sie werben, existiert überhaupt nicht.
Bei keinem dieser Unternehmen wurde Bezug auf das Inserat genommen. Immer versuchte man abzuschweifen.

So auch beim Unternehmen CHP-Chomse & Hennig, das ein Partnerunternehmen von Michael Hübner–Ihr Personalvermittler in Berlin ist. Dort bestand ich auf dem Arbeitsangebot in Blankenfelde als Löter und Montierer und wollte mich auf nichts anderes einlassen. Widerwillig ließ man sich darauf ein und ließ tagelang durchblicken, dass ich genau der richtige Mann für den Job wäre, genau ins Profil passen täte und dem Job nichts mehr im Wege stünde.

Nach ein paar weiteren Tagen fragte ich dann per mail beim M. Hübner mal nach, der mir deshalb 3 verschiedene Namen von weiteren Agenturen zukommen ließ. Was sollte das denn sein? Ich wartete doch auf den Anruf des Unternehmens aus Blankenfelde.
Also rief ich Herrn Hübner mal an und fragte gezielt nach: "Was ist mit dem Job in Blankenfelde?"
Antwort: "Ja, sieht schlecht aus."
Den weiteren Wortaustausch spare ich mir mal an dieser Stelle, aber ich wurde offenbar verarscht.

Das nächste Unternehmen war DEKRA-Zeitarbeit. Ich bekam einen Job bei Visteon in der Görzallee. Dort stand ich am Fließband, fast jeden Tag an einem anderen, fing mit 1 Woche Spätschicht an und machte danach 1 Woche Nachtschicht durch.
Nach 2 Wochen wurde ich abgezogen.

Es folgten weitere 2 Wochen in denen ich nur sporadisch gearbeitet hatte, so auch bei GLS, wo ich frühmorgens für 2 Std. die LKWs entladen durfte. Mehrere Tage danach konnte oder wollte man mich nicht mehr beschäftigen und so ließ man mir die Kündigung zukommen. Bei der DEKRA war ich somit 4 Wochen lang beschäftigt.

Anschließend wollte man mit mir noch über meine Stunden reden. Ich mach's kurz. "Reden" hieß, man versuchte mich übers Ohr zu hauen. Dieses Unternehmen zahlte 8,20 EUR/Std., aber nichtmal die wurden einem gegönnt. Zwar einigte man sich auf die Zahlung von 4 Wochen Arbeit, aber später in der Abrechnung fehlte Geld. 2 Tage wurden abgezogen, obwohl ich mich lediglich an einem Tag nicht wie vorgesehen meldete. Und auch die Berechnungen bei anderen Tagen stimmten nicht. Eine mail an die DEKRA, man möge doch die Lohnabrechnung nochmals überprüfen, verpuffte unbeantwortet.

Ich habe überlegt, ob ich dagegen vorgehe, habe es aber unterlassen. Nach meinen Berechnungen ging es um ca. 100 €. Nicht sehr viel, aber so wenig, dass vermutlich viele andere ehemalige Mitarbeiter deswegen nichts unternehmen. Und so sammeln sich vielfach 100 € hier und dort an und vermehren sich zu Tausenden, die man den Leuten vorenthält. Nie wieder DEKRA.

Beim Unternehmen Accurat in Steglitz stellte ich mich 2x im Abstand von wenigen Wochen vor. Beim 2. Mal erfolgte die Einladung wiederum über einen Arbeitsvermittler, der mein Profil anbot. Accurat lud mich nochmals ein, erinnerte sich aber nicht an meinen ersten Besuch.
Was soll ich sagen? Man hatte keine Arbeit für mich. Aber wozu dann die Einladung? Es sah so aus, als müsse ich wieder mit leeren Händen nach Hause fahren und entschloss mich in jenem Moment mal deutlich zu werden. Ich fragte, ob es eine Liste gäbe, auf der stünde "Herr Grund soll keine Arbeit bekommen"? Denn es ist doch nicht normal, wenn man ständig eingeladen wird, miteinander spricht, der Gegenüber sich Notizen macht und man ohne Erfolg oder Aussichten auf Arbeit wieder nach Hause fahren kann.

Nein, so wäre das nicht und man hielt kurz inne, um folgende Frage zu stellen: "Sie wollen also arbeiten?"
Hä?
Ja, natürlich wollte ich arbeiten. Gleich darauf machte ich den üblichen Test in Form von Fragen für die Unfallverhütung, bekam einen Vertrag vorgelegt, den ich dann nach ca. 1,5 Std. unterschrieb, und ... oh Wunder, Accurat bekam es fertig, mich noch am selben Tag zu Stollwerk zu schicken, wo ich nur diesen Freitag arbeiten sollte. Montag wäre ich woanders. Na das hörte sich doch gut an. Oder doch nicht?

Also, auf zu Stollwerk in der Motzener Straße.
Noch im Laufe des Freitags teilte man mir mit, dass ich auch noch die ganze nächste Woche bei Stollwerk wäre. Na gut, auch egal. Hauptsache Arbeit.
Die bestand darin, dass ich wieder am Fließband stand und die Schokoladentafeln beobachten musste, welche die Maschine ausspuckte. Was nicht perfekt aussah, musste aussortiert werden. Zum Feierabend hin musste ich auch noch den Gang entlang der Fertigungsstraße fegen, aber das war gut für meinen steifen Körper. Endlich ein wenig Bewegung.

Es war keine schöne Arbeit, nein wirklich nicht, aber nach 1 Woche war dann Schluss. Accurat bekam es noch nicht mal fertig, mir am Telefon zu sagen, das man mich entlassen wollte, als ich am Donnerstag anrief, um mich nach der Arbeit für die nächste Woche zu erkundigen. Denn am Freitagmorgen lag schon die schriftliche Kündigung im Briefkasten. Ein Unternehmen mit Format, kann ich da nur sagen.

Seitdem ist bei mir die Motivation Arbeit zu finden, massiv gesunken und ich bin kurz davor depressiv zu werden. Betrachtet man sich die Gesamtumstände, dann kommt da noch viel mehr zusammen.

Durch die diversen Bewerbungsgespräche, die man auch als Vorstellungsgespräche bezeichnen kann, entstanden Spritkosten. Zeit hat man ja genug, wenn man 50 km durch die Stadt fahren muss, aber den Sprit bezahlt niemand. Ebenso bezahlt niemand die Kosten für Anzeigen bei ebay-Kleinanzeigen, die regelmäßig für 2,95 EUR hochgerückt werden müssen. Das Porto, Papier und die Tinte, auf dem ich meine Korrespondenz mit dem Jobcenter führe, bezahlt auch niemand.
Dafür kann man aber auf einem Formular umfangreich seine Bewerbungsausgaben dokumentieren. Beim Anblick des Formulars vergeht einem schon die Lust es auszufüllen. Ob das so geplant ist?

Ich habe entschieden, mich nie wieder an Arbeitsvermittler zu wenden, aber auch nicht an Zeitarbeitsfirmen. Den angeblich festgelegten Mindestlohn von 8,50 €/Std. habe ich nie erhalten. Wie oben erwähnt, warte ich auf den Lohn und die Abrechnung von Accurat.

Aber das Desaster geht ja noch weiter. Jedes Mal, wenn man dem Jobcenter den Arbeitsvertrag vorlegt, berechnet das für 6 Monate im Voraus die zukünftigen Überweisungen, weil die denken, man bezöge jetzt Lohn. In meinem Fall waren das bei der DEKRA 62 EUR und bei Accurat 16 EUR/Monat. Wird man kurze Zeit später entlassen, darf man sich über "die milde Gabe" tierisch freuen und dem Jobcenter verklickern, dass man keine Arbeit mehr hat. Im Moment hinken die Zahlungen aus der Zeit bei der DEKRA noch hinterher und sind nicht ausgeglichen. Das Jobcenter zahlt noch Monate nach der Kündigung diese lächerliche Summe, obwohl man längst keine Arbeit mehr hat und die Kündigungen dieser Unternehmen schon lange beim Jobcenter vorliegen.

Was macht man da?
Ich habe mit mails und Briefen versucht Kontakt zu meinem "Team" aufzunehmen. Das kann man vergessen. Die melden sich nicht. Genau so ist es mit der Leistungsabteilung. Niemand kann an die ran. Noch nichtmal die Mitarbeiter vom Jobcenter können einen direkten Kontakt zur Leistungsabteilung herstellen. Erzählen sie jedenfalls.
Man sitzt also da, schaut jeden Tag ins Bankkonto, um wieder festzustellen, dass nichts überwiesen wurde. Und wenn, dann sind's 16 EUR. Die Miete wird abgebucht, das Konto wird immer dünner und man ist diesem miesen System ausgeliefert.

Ganz lustig wird's dann, wenn Post vom Jobcenter kommt, und man meint, bis zum 04.01.2016 müsste die Lohnabrechnung vorliegen. Wie soll das denn gehen, wenn zum 19.12.2015 gekündigt wurde, danach Weihnachten, Sylvester und Neujahr war, wo sowieso kaum jemand arbeitet und die Abrechnungen meist bis zum 15. des Folgemonats fertig gemacht werden. Na, die haben Vorstellungen.

Nun sind seit der Kündigung von Accurat bis heute (15.01.2016) fast 4 Wochen vergangen. Bis zum 15. des Folgemonats sollte Lohn und Abrechnung eingegangen sein. Das ist aber nicht der Fall.
Eine Folge davon ist, dass das Jobcenter bei unklaren Geldverhältnissen keinen neuen Vermittlungsgutschein ausstellt. Das heißt, eine Vorstellung bei Arbeitsvermittlern käme erstmal nicht infrage.
Bei meinem gestrigen Besuch beim Jobcenter wollte man mir trotz der unklaren Lage großzügig 100 € mitgeben. Unklare Lage, weil dort noch nichtmal vermerkt ist, dass ich vor 4 Wochen gekündigt wurde. Auf die 100 € habe ich verzichtet. Denn erstens war ich nicht gekommen um Geld zu holen, sondern um für den Fall vorzusorgen, dass ich nicht wieder monatelang mit Kleckerbeträgen abgefertigt werde, von denen ich die Miete nicht bezahlen kann, obwohl schon längst bekannt wäre, dass ich schon vor vielen Wochen gekündigt wurde. Denn so wie es momentan aussieht, wiederholt sich der Vorgang wie bei der DEKRA

Da ich große Zweifel habe, dass Accurat überhaupt jemals Lohn überweisen wird, habe ich beim Jobcenter meine Annahme diesbezüglich gleich in eine eidesstattliche Versicherung mit eingearbeitet.

16.01.2016 - Unglaublich, aber wahr. Mein Besuch vom 14.01.2016 beim Jobcenter zeigte Wirkung. Heute kam doch tatsächlich die Neuberechnung der Leistungsabteilung. Es gibt eine Nachzahlung und für die nächsten Monate den vollen Satz. Was so eine "Eidesstattliche Versicherung" alles bewirken kann.

20.01.2016 - Heute traf das Geld ein. Nach 4 Wochen hat Accurat den Lohn überwiesen. Solange gab's vom Jobcenter wegen unklarer finanzieller Verhältnisse aber auch keinen neuen VGS.

26.01.2016 - Mir hat's jetzt gereicht. Nachdem ich die letzte Neuberechnung erhielt, wurde von der angegebenen Summe nur ca. ein Drittel überwiesen. Da ich sowieso einen Termin mit der Leistungsabteilung hatte, wurde auch gleich noch ein weiterer Punkt geklärt. Der bestand darin, dass ich angeblich 100 Eur in bar erhalten hätte, was aber nicht den Tatsachen entsprach. Zwar wurden die mir angeboten, aber mit 100 Eur kann ich zwischenzeitlich nichts anfangen, wenn die Miete schon 300 Eur beträgt. Da man mir nicht mehr geben wollte, verzichtete ich auf die 100 Eur.
Man versprach mir nun den Rest des angebenen Betrags und die 100 Eur in Kürze zu überweisen.
Da es sich um ca. 700 Eur handelte, war auch noch eine Nachzahlung vom November enthalten, in dem nur ca. 90 Eur auf mein Konto flossen.
Wer da durchblickt, sollte Sachbearbeiter beim Jobcenter werden.

Unterm Strich muss ich sagen, dass der Arbeitssuchende nur verarscht wird. Von den Vermittlungsunternehmen und vom Jobcenter. Man ist denen ausgeliefert und hat das Gefühl, die wollen dich gänzlich ruinieren.
Besonders die Vermittler sind nett und freundlich, und man ist geneigt alles zu glauben was die sagen. Aber eigentlich ist man für die nur ein Werkzeug, das nach Belieben hervorgeholt und wieder weggelegt wird. Und als wenn die Situation nach einer Kündigung nicht beschissen genug wäre, wird man noch um seinen Lohn geprellt.

Am Anfang habe ich mich gegen das Unterschreiben des Vermittlungsvertrags geweigert. Hier muss man laut Inhalt die Vermittlungsgebühr selber zahlen, falls mit der Übergabe des Vermittlungsgutscheins etwas nicht klappen sollte. Mein Gott, was gabs da für Diskussionen. Ein Vermittler hat sogar den Vertrag für mich geändert, indem er die besagte Klausel herausnahm. Dafür wollte er aber den Originalschein selber verwahren. Gut, haben wir dann so gemacht. Aber gebracht hat's auch nichts, weil nie ein Arbeitsvertrag unterschrieben wurde.

Später dachte ich, dass es keinen Zweck hat, jedes Mal darüber zu diskutieren, ob es eine Frechheit ist, jemandem der sowieso schon ganz unten ist, auch noch anzudrohen er müsse die 2000 EUR selber zahlen, wenn er den VGS nicht übergeben würde. Ich habs dann gelassen und unterschrieben. Denn eigentlich sollte der Schein ja zur Verfügung stehen.

Sehr aufschlussreich war der Rat meiner tatsächlich netten Sachbearbeiterin beim Jobcenter, bei der ich mich immer ausheulte. Sagte die doch genau das, was ich anprangerte, nämlich die Finger von Arbeitsvermittlern und Zeitarbeitsfirmen zu lassen. Und warum? Weil die Arbeitsvermittler die Leute nach 6 Monaten wieder entlassen. Dann haben die nämlich die zweiten 1000 € kassiert, suchen sich neue doofe Arbeiter, stellen die ein, bekommen nach 6 Wochen die ersten 1000 € und nach 6 Monaten die zweiten. Danach geht das Spiel von vorne los.

Als ich mich damals arbeitssuchend meldete, hatte ich meine Vorstellungen von der zukünftigen Arbeit. Inzwischen bin ich soweit davon abgewichen, dass ich mir schon völlig willenlos vorkomme, nur um irgend einen Scheißjob zu bekommen.

Meine Überlegung war, dass diese ganzen Zwischenverdiener überflüssig sind. Die Firmen sollen die Leute wieder direkt einstellen, so, wie das früher auch war, als man an den Werkseingängen noch lesen konnte "Wir stellen ein: ..."

Frohen Mutes traf ich mich deshalb mit einem solchen Unternehmer, der mich in seiner kleinen Druckerei halbtags eingestellt hätte. Warum "hätte"? Weil dieser Mensch meinte, nur 10 EUR/Std. zahlen zu wollen. Das muss man sich mal vorstellen. Was sind 10 EUR gegenüber 8,50 EUR und das bei einer Direkteinstellung ohne diese Zwischenverdiener. Das ist so gut wie nichts und fast schon als kriminell zu bezeichnen. Und dann bloß halbtags. Die Höhe des Lohns soll ja darin bestehen, auch ohne Jobcenter davon leben zu können. Mir jedenfalls gefällt es nicht, ständig von denen belagert zu werden und regelmäßig die Kontoauszüge und Lohnabrechnungen hinzuschicken.

Wenn solche Unternehmer einen Arbeiter über einen Vermittler ordern würden, zahlen die bestimmt das Doppelte. Aber wenn sie direkt einstellen, zahlen sie genauso wenig wie ein Personaldienstleister.
Was ist in diesem Land los? Warum wird davon gesprochen, dass die Wirtschaft boomt und die Arbeitslosenzahlen sinken? Man sollte mal danach fragen, wer von den Arbeitstätigen 2 oder 3 Jobs hat, um von den paar Kröten, die man ihnen gönnt, leben zu können.

Meine Ansprüche ans Leben sind sowieso schon ganz unten angesiedelt, aber manchmal denke ich, es wäre besser, wenn ich meinen 12 Jahre alten Mazda 323 verkaufe und mir dann auf Staatskosten in meiner 30 m²-Wohnung ein schönes Leben mache. Urlaub kann ich mir auch nicht mehr leisten, obwohl ich mit 1000 EUR in Norwegen für 3 Wochen gut zurecht kam. Aber ohne Auto kann ich das erst recht vergessen. Das gehörte immer dazu.

Man wird in diesem Land wirklich mit System ruiniert. Kleine Leute werden niedergedrückt, die dürfen und sollen nichts verdienen, damit sie wieder gerade stehen können.
Wenn meine Oma noch leben würde, würde sie sagen: "Armes Deutschland."

Wie alt ich bin? 62 Jahre. Und wie man mir schon letztes Jahr angedroht hat, wird man mich dieses Jahr zwingen in Frührente zu gehen, wenn ich keine Arbeit bekäme. Natürlich mit Abzügen, versteht sich.


11.08.2016 - Die aktuellen Umstände:

Die Zeit vergeht. Das Jobcenter hat mich abgesondert und der Rentenantrag wurde inzwischen bewilligt. Ich bin seit ca. 2 Wochen Rentner. Ach, wie schön.:-(

Meine Rente beträgt 752 EUR/Monat. Mein Guthaben auf dem Konto 800 EUR. Bargeld ist nicht der Rede wert. Das schreibe ich, um euch mal die Situation zu verdeutlichen.
Mir kam der Begriff "Grundsicherung" zu Ohren, und weil ich meinte, mit der Rente nicht über die Runden zu kommen, beantragte ich beim Bezirksamt die Grundsicherung.
Wie auch bei anderen Sachen wusste ich zuerst nicht worum es sich handelt, was Grundsicherung bedeutet und wie hoch sie evtl. ausfallen könnte. Ich bantragte sie, telefonierte mit den Krankenversicherungen wegen erforderlicher Bestätigungen und Belege, stellte ein Paket von Unterlagen zusammen, unter denen natürlich auch die Kontoauszüge der letzten 3 Monate waren und reichte den Antrag ein.
Aber nun ist alles klar. Mein Antrag wurde abgelehnt.

Und jetzt für alle im Klartext, was Grundsicherung bedeutet. Mal abgesehen davon, dass davon der Lebensunterhalt bestritten werden soll, handelt es sich nur um einen anderen Begriff für Hartz4. Hätte ich vorher gewusst, dass das Bezirksamt nahezu die selben Unterlagen haben wollte wie das Jobcenter als ich Hartz4 beantragte, hätte ich mir die Rennerei, das Telefonieren und Ausfüllen des Antrags sparen können. Der Betrag der Grundsicherung ist nämlich identisch mit dem von Harz4. Warum?
Ganz einfach. Es wird bei mir der Regelsatz von zur Zeit 404 EUR gezahlt und die Miete, also zusammen 716 EUR (312 EUR Miete). Alles andere, was man sich über die Jahre leistete oder anschaffte, wie diverse Versicherungen, Internet, Auto sowieso und andere Sächelchen, interessieren für die Grundsicherung nicht. Allenfalls wird noch eine Hausratversicherung gezahlt, aber keine Mietrechtschutzversicherung. Alles andere muss man abschaffen oder zusehen wie man die Rechnungen dafür bezahlt, indem man z.B. arbeiten geht. Aber in dem Alter erstmal eine finden.

Also nochmal: Die Rente wird in die Betragsgröße von Hartz 4 umgewandelt, und Kosten, die das Jobcenter nicht interessierte, interessieren auch nicht das Bezirksamt.
Würde ein anderer Rentner z.B. 1100 EUR Grundsicherung bekommen, so wäre der nicht besser dran als der mit 700 EUR. Denn den Mehrbetrag müsste er verwenden um seine diversen Rechnungen für vom Bezirksamt anerkannte Ausgaben zu zahlen. Dem blieben also auch nur die 404 EUR/Monat.

Als ich gestern den Ablehnungsbescheid bekam, dachte ich erst, ich spinne wohl, oder was? Las mir die Zahlen immer und immer wieder durch und begriff irgendwann, wie sich das zusammensetzt und welches Prinzip dahintersteckt. Es ist also nicht so, dass es für die Grundsicherung einen festen Betrag gäbe, den ich unermütlich im Internet suchte, aber nicht fand, sondern die Grundsicherung setzt sich aus dem Hartz 4-Satz und den vom Bezirksamt anerkannten Kosten zusammen. Das heißt, bei jedem Antragsteller ergibt sich ein anderer Betrag.
Und wer nun schön aufgepasst hat, wird gesehen haben, dass ich mit 752 EUR Rente die 716 EUR an tatsächlichen Kosten um 36 EUR überschritten habe. Mir bleibt also noch ein stolzes Sümmchen, das ich ungehemmt für andere Verpflichtungen verbraten kann. Und deshalb wurde der Antrag abgelehnt.

Die Schweinerei der Regierung, sich an den Renten zu vergreifen, hat noch einen anderen Nachteil. Arbeitstätige sind tagsüber nicht zu Hause. Sie verdienen in dieser Zeit Geld und sparen durch ihre Abwesenheit zu Hause Kosten für Warmwasser und Strom. Dagegen haben Rentner viel Zeit, in der sie nichts verdienen und obendrein Strom- und WW-Kosten haben, weil sie viel zu Hause sitzen. Rentner haben höhere Kosten als Berufstätige. Aber woher soll das Geld kommen, wenn man ihnen die Rente kürzt?
Das ist übel und hätte vermieden werden können, wenn so einge Sachen in diesem Lande nie passiert oder eingeführt worden wären.

Und noch eine kostenlose Zugabe zum Thema Gerechtigkeit und Sozialdenken: Ein Hartz4er darf ein Vermögen von 150 EUR/Lebensjahr besitzen, ein Rentner mit Grundsichrung jedoch nur 2700 EUR insgesamt. Daran sieht man abermals, dass einem in diesem feinen Land nichts gegönnt wird. Ich hatte weder das Eine noch das Andere Vermögen.
Hat ein 63-jähriger, in die Frührente gezwungener Arbeitsloser ein Vermögen von 9450 EUR für seine Vorsorge angespart, so wird er nun gezwungen die Differenz der beiden Beträge aufzubrauchen. Erst wenn er fast ganz unten angekommen ist, kann er Grundsicherung beantragen. Das muss man nicht verstehen, aber man kann deutlich sehen in welchem Maße selbst Rentner noch ausgeraubt werden, dadurch, dass man ihnen für lange Zeit die Grundsicherung verweigert. Der Staat kennt weder Gerechtigkeit noch handelt er sozial. Ein steuerfreier Hinzuverdienst von 450 EUR ist deshalb ein Lacher. Erst werden die Renten gekürzt und zum Schluss ein lächerlicher steuerfreier Hinzuverdienst erlaubt. Wobei der Gedanke, dass ein Rentner, wegen bewusster Bereicherung des Staates an seinen Rentenbeiträgen, weiter arbeiten muss um seinen Lebensstandard zu halten, schon als krimineller Akt bezeichnet werden müsste.


20.11.2016 - Die neue Lage:

Nach nun mehreren Monaten des Rentnerdaseins fand ich über ebay-Kleinanzeigen einen mini-Job. Das heißt, ich bot mich an und schrieb dazu, dass ich zum Fegen und Wischen geboren wäre, und ich mir einen Hausreinigungsjob wünschen täte. Es dauerte dann nicht lange und der erste "Chef" meldete sich bei mir. Nachdem dann der Tag der Einarbeitung vorüber schien, trennten sich unsere Wege für alle Zeiten. Besser war's.
So einen Typen hatte ich bis dato noch nie sehen dürfen. Ein Selbstdarsteller vor dem Herrn. Der quatschte mich ohne Pause den ganzen Tag voll, während der Fahrt durch die Straßen und über die Autobahn Berlins. Sekundenlang blickte er dann zu mir als Beifahrer und achtete dabei nicht auf die Straße. Und er quatschte ... nicht nur im Auto auf dem Weg zu den Häusern, sondern auch dort auf der Treppe, auf dem Hof, der Grünanlage ... ich bin bald blöd geworden, aber hielt mein Maul, weil ich den Job haben wollte. Bis auf 2 Mal, bei denen ich mich erfrechte eine andere Meinung zu haben als er, was ihm überhaupt nicht gefallen hatte. Und das war dann für ihn auch der Punkt, um seinen Entschluss zu fällen.

Er schmiss mich auf dem Nachhauseweg dann noch aus dem Auto, weil ich mir seine Beleidigungen verbat. Er war halt der Größte, der Beste, der Schlaueste ... usw., aber er zahlte tatsächlich noch die vereinbarten 50 € für den Tag.

Danach meldete sich eine andere Firma. Wir vereinbarten einen Treffpunkt bei den Häusern, die ich zukünftig bearbeiten sollte, und Chef und Objektleiterin standen fast die Tränen in den Augen, als ich sagte, ich könne gleich morgen anfangen und man müsse mich nicht einarbeiten. Schließlich hatte ich das schonmal für meinen Vermieter längere Zeit getan und ja auch erst vor 1 Woche für diesen Vollidioten, von dem ich am liebsten hier den Namen nennen möchte.

Nun fege und wische ich die Treppenhäuser, mähe den Rasen, schneide die Büsche und Hecken ... mache so ziemlich alles, was ein Hausmeister macht, und habe noch körperliche Bewegung, was ja auch nicht so zu verachten ist, wenn man sich gerne bewegt.

Bereits seit 7 Monaten arbeite ich zufrieden für die Firma und verdiene mir mit ca. 6 - 7 Std./Woche ein paar Hundert Euro dazu. Wenn das so weitergeht, arbeite ich dort bis zum Umfallen. Ich würde sagen, ich hatte mal endlich Glück.

Da ich nur noch wenige Wünsche habe und recht bescheiden lebe, komme ich mit meinem Geld gut zurecht.

nach oben


www.gratis-besucherzaehler.de